Green IT im eigenen Zuhause

Das Marketing-Buzzword Green IT geistert bereits einige Zeit durch diverse Werbeanzeigen von Herstellern. Meist ist es aber nur ein schönes Marketingwort. Viel befindet sich nicht dahinter: Immer noch braucht Informationstechnologie ordentlich Energie und die Verlagerung von Dienstleistungen in die Cloud hat den Bedarf eher noch erhöht als vermindert. Viel ist also nicht übrig von der Green IT.

2013 steigen auch bei vielen Stromanbietern wieder die Energiepreise. Was kann man nun im eigenen IT-Umfeld tun, um Energie zu sparen und somit sowohl die Kosten zu verringern als auch die Umwelt zu schonen?

Spezialisierte Computer sind besser als Standard-PCs

Mittlerweile befinden sich in den meisten Haushalten spezialisierte Rechner, die verschiedenste Dienste anbieten: Die Aufnahme von Fernsehfilmen, die Wiedergabe von Webradio, das Surfen auf Internetseiten oder Youtube. All diese Geräte sind auf ihren Einsatzzweck angepasst und daher energiesparenender, als wenn man z.B. einen Gaming-PC zur Wiedergabe von Webradios verwendet.

Somit gilt: Wenn Multimedia-Geräte im Haushalt vorhanden sind, sind diese dem Standard-PC vorzuziehen.

Welches Gerät verwenden?

Ausgestattet mit einem Stromverbrauchszähler bin ich die einzelnen IT-Geräte im Haus abgelaufen. Dabei habe ich folgende Verbrauchswerte (in Watt) ermittelt:

  • Smartphone – 5W bis 6W Ladestrom
  • Tablet (iPad 1) – 7W Ladestrom
  • Notebook – 50W in Betrieb
  • Desktop-PC mit Monitor – 110W in Betrieb

Die erste Überraschung: Das iPad braucht kaum mehr Ladestrom als ein Smartphone. Allerdings lädt es dafür ungefähr drei- bis viermal so lange. Dafür schlägt der Nicht-Gaming-Desktop-PC mit 110W ordentlich ins Gewicht. Gehen wir mal davon aus, dass wir privat zuhause 2 Stunden täglich ein Gerät nutzen, um ins Internet zu gehen und dort zu Surfen, E-Mails zu lesen/schreiben, Videos und Musik zu schauen. Dabei bin ich bei den Smartphone und Tablet von täglicher Ladung ausgegangen. Sollte man z.B. das Tablet nicht so oft laden müssen, reduzieren sich die Kosten entsprechend. Dann kommen wir auf folgenden Jahresstromverbrauch:

Somit meine Green-IT-Chart, welches Gerät am sparsamsten läuft:

  1. Smartphone – 3,3 kWh
  2. Tablet – 7,6 kWh
  3. Netbooks
  4. Notebooks – 36,5 kWh
  5. Desktop-PCs – 80,3 kWh

Bei einem Strompreis von 25 Cent pro kWh ist der Preisunterschied zwischen Tablet und Desktop-PC Nutzung im Jahr über 18 Euro.

Eine Ähnliche Aufstellung findet sich übrigens auch unter Opower.com.

Datenhaltung

Wie kann man Stromsparend seine Daten zentral und zugreifbar aufbewahren?

Cloud-basierte Lösungen sind generell eher Energiefresser: Leistungsfähige Hardware erzeugt viel Abwärme, die mit Klimaanlagen wieder heruntergekühlt werden muss. Zudem stehen die großen Rechenzentren oftmals in Gebieten, in denen der benötigte Strom mittels Kohlekraftwerken erzeugt wird. Das schadet erstmal nicht dem eigenen Geldbeutel, allerdings ist das nicht sehr „green“. Den Energiemix zuhause kann man selbst bestimmen. Somit sind NAS-Systeme (Netzwerkspeicher) trotz erstmal höherer Anschaffungskosten die umweltschonendere Lösung. Ein schöner Nebeneffekt: Man ist Herr über die eigenen Daten.

NAS-Systeme verbrauchen im Standby zwischen 2 und 10 Watt, beim Zugriff auf die Daten typischerweise 10-20 Watt. Das ist auf jeden Fall günstiger, als einen PC als Netzwerkspeicher zu verwenden.

Den Desktop-PC energetisch sanieren

Was tun, wenn man nun noch einen Desktop-PC zuhause hat und diesen auch weiter verwenden muss, weil ein Tablet oder Smartphone für die gewünschte Aufgabe nicht geeignet ist? Dann startet man einfach eine energetische Sanierungsmaßnahme.

einfachere Grafikkarte (oder interne Lösung verwenden)

Gaming-Grafikkarten sind Stromfresser. So benötigten diese im Leerlauf schon ca. 15-20W, unter Volllast brauchen die Grafikkarten über 100W Leistung. Also raus mit der Gaming-Karte, die so vielleicht gar nicht benötigt wird. Das kann man gleich noch nutzen um eine Mittelklasse oder Einstiegsklassengrafikkarte zu kaufen, die komplett passiv gekühlt ist (dabei aber auf ausreichend Lüftung im Gehäuse achten). Es gibt aber eine noch einfachere Lösung: Viele Mainboards haben heute onboard eine Grafikkarte verbaut – oft auch schon mit HDMI und DVI-Anschluss. Somit einfach diese Grafikkarte verwenden, das reduziert den Stromverbrauch am Stärksten. Hier sind auch Einsparungen von 100W möglich.

Austausch von 3,5″ gegen 2,5″ Festplatten

2,5″ Zoll Festplatten sind schon die Stromsparwunder im Notebook. Auch als externe Festplatten sind sie beliebt, da sie mit der Stromversorgung des USB-Anschlusses betrieben werden können. Mittlerweile kosten 2,5″ Festplatten kaum mehr, als ihre „dicken Brüder“. Mit entsprechenden Adapterhalterungen kann man sie genauso im Desktop-PC einsetzen und nochmal Strom sparen. 3,5″ Festplatten verbrauchen typisch 6-10W, 2,5″ Festplatten 2-4W. Eine kleine Einsparung, aber immerhin. SSDs benötigen übrigens kaum weniger Strom als sparsame 2,5″ Festplatten.

Austausch des Netzteils gegen 80 Plus Netzteil

PC-Netzteile sind nur in einem bestimmten Lastbereich besonders effizient. Deswegen muss das verwendete Netzteil den Verbrauchern im Desktop-PC angepasst sein. Wird das Netzteil überdimensioniert, so geht Leistung verloren (um die 50% Last sind die Netzteile optimal ausgelastet). Es lohnt sich also, ein 80 Plus Netzteil (Effizienz über 80%) zuzulegen, das entsprechend auf die PC-Komponenten abgestimmt ist. Das ist besonders zu empfehlen, wenn man obige Energiesanierungsmaßnahmen durchgeführt hat, uns das Netzteil im PC nun überdimensioniert ist.

Austausch des Mainboards / Prozessor

Sicherlich der härteste Sanierungsschritt. Hier kann z.B. auf eine neuere Prozessorgeneration gewechselt werden, die oft sparsamer laufen. Wenn ein Mainboardwechsel auch durchgeführt wird, kann auch (sofern der PC nur für einfache Anwendungen wie Office und Internet genutzt wird) ein Mainboard mit Atom-CPU verwendet werden. Hiermit kommt man in einen Verbrauchsbereich eines Notebooks.

Geplante Obsoleszenz

Bild von Volker Thies (CC-BY-SA)

Leider haben ökonomisch handelnde Hersteller ein Interesse daran, dass unsere teuer gekaufte Hardware nur eine begrenzte Lebensdauer aufweist. Damit kann man dann schön wieder neue Hardware verkaufen. Da aber die Herstellung von IT-Gerätschaften Rohstoffe und Energie benötigt und die Altgeräte ebenfalls umweltgerecht entsorgt werden müssen, ist das in Sachen Green IT eher ungünstig.

Was bleibt uns also zur Wahl? Geräte kaufen, die über gute Wartungsmöglichkeiten verfügen. Fest eingebaute Akkus sind zu vermeiden. Zudem Geräte kaufen, bei denen nicht schon von Anfang an wieder klar ist, dass diese durch die Modellpflege des Herstellers spätestens in einem Jahr zur Altelektronik gehören. Hier sind die iDevices leider in beiden Fällen ein Negativbeispiel.
Zudem Geräte kaufen, die über Erweiterungsmöglichkeiten verfügen. So sollten z.B. Notebooks Wartungsklappen auf der Unterseite haben, um einfach Arbeitsspeicher oder Festplatten tauschen zu können. Handys und Tablets können mittels SD-Slot um Speicher erweitert werden.

Wenn dann doch einmal die Hardware den Geist aufgibt: Nicht gleich auf den Müll damit. Bei den Desktop-PCs kann man (fast) jede Komponente austauschen und auch für Notebooks und andere Geräte gibt es Reparaturfirmen und/oder Reparaturanleitungen im Internet.

Fazit

Es gibt somit etliche Möglichkeiten und Ansätze, die eigene Nutzung der Informationstechnologie bewusst umweltschonender zu gestalten. In Sachen Internetnutzung ist die Smartphone- und Tabletnutzung zu empfehlen. Eine Anschaffung eines Neugeräts lohnt sich allerdings, wie oben bei den Stromkosten gesehen, trotzdem nicht. Die 18 Euro Einsparung pro Jahr rechtfertigen bei einer Nutzungsdauer von 3-4 Jahren immer noch keine Anschaffung eines über 200 Euro teuren Tablets.
Und insgesamt muss man auch ehrlich sein: So richtig „green“ ist IT (noch?) nicht.

2 Gedanken zu „Green IT im eigenen Zuhause“

  1. Danke für den ausführlichen Artikel. Das Thema ist wirklich wichtig, denn wir verschwenden nicht nur einen haufen Energie im Betrieb der Geräte, sondern auch zur Herstellung, und wir verpesten die Umwelt und sogar Menschen beim Wegschmeißen.
    Wie man in deiner Grafik gut sieht ist der Laptop mittlerweile eigentlich der bessere PC. Gerade wenn man nur Surft und Officearbeiten erledigt ist das eine gute Wahl.
    Außerdem kann man da meistens sogar auf Second-Hand Geräte zurück greifen. Die haben zwar keine gute Akkuleistung mehr, aber im Büro ist der Laptop ja eh ständig am Kabel. Dazu dann vielleicht einen Stromarmen Bildschirm, damit das Auge nicht so leidet und gut ist 🙂

  2. Schöner Artikel! Muss dir zum Thema NAS zustimmen. Habe zu Hause selbst eine Synology DS213+ stehen und bin mit dem Stromverbrauch sehr zufrieden. Die Herstellerangaben liegen im Systemhibernation-Modus bei nur 2,6W. Von diesen Angaben weiche ich nur geringfügig ab. Im normalen Betrieb ist der Verbrauch natürlich etwas höher. Finde das Konzept dahinter aber sehr gut. Man hat immer die komplette Kontrolle über seine Daten und kann auch ohne PC per Smartphone etc darauf zugreifen. Die Investition hat sich bei mir auf jeden Fall gelohnt.

Schreibe einen Kommentar